Radfahranteil in Malmö/Schweden beträgt 30%!Ich bin in der schwedischen Stadt Malmö aufgewachsen. Malmö liegt ganz im Süden Schwedens, genau gegenüber von Kopenhagen. Wenn das Wetter schön ist, kann man vom Strand die dänische Hauptstadt sogar sehen. Malmö war schon zu dem Zeitpunkt, als ich dort gewohnt habe, sehr fahrradfreundlich und es ist nicht überraschend, dass ich das Radfahren schätzen gelernt habe. Die Fahrradfreundlichkeit hat mit der Stadtplanung angefangen. Die neuen Stadtteile wurden als große Grätzel ohne Durchzugsautoverkehr konzipiert. Die Wohnhäuser liegen am Rand, die Zufahrt erfolgt über Sackgassen. In der Mitte des Grätzels liegen Grünbereiche und Spielplätze. Als Kind hat man sehr viel Platz zum Spielen gehabt, ohne eine Straße queren zu müssen. Radwege und Gehwege führen kreuz und quer durch die Grätzel. Die Stadt Malmö entspricht in Größe und Einwohneranzahl sehr genau Transdanubien und auch die Topologie ist ebenso flach. Auch die Aufteilung in einen zentralen, bebauten Teil und Landwirtschaft in der Peripherie entspricht den Verhältnissen im 21. und 22. Bezirk. Auf dieser Fläche gibt es heute 400 km Radwege und im öffentlichen Raum 37.000 Fahrradabstellplätze.
Die Stadt lässt sich einiges einfallen, um das Radfahren noch beliebter und sicherer zu machen. Es fand z.B. eine Helmverteilungsaktion statt, innerhalb von 1 ‡ Stunden wurden 144 Gratishelme verteilt. Die Glücklichen mussten aber unterschreiben, dass sie den Helm beim Radfahren immer verwenden werden.
Es es kein Wunder, dass der Fahrradanteil in Malmö 30% (und für Arbeitsfahrten sogar 40%!) beträgt. In Schweden wird sehr ruhig gefahren und die Autofahrer halten sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen. Ein Grund ist, dass die Toleranzgrenze nur 5 km/h beträgt und die Strafen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen hoch und vom Einkommen abhängig sind. Laut den schwedischen Verkehrsexperten sind die 20er-Schritte bei den Geschwindigkeitsbeschränkungen zu groß, um die Anforderungen hinsichtlich Verkehrssicherheit und Umweltfreundlichkeit zu erfüllen. Derzeit wird an einem neuen Konzept gearbeitet, im Zuge dessen folgende Geschwindigkeitsbeschränkungen ausprobiert werden:
Malmö liegt am Meer und die Winter sind daher mild, dafür ist die Luft oft feucht und der Himmel bewölkt. Im Sommer bewirkt das Meer eine Abkühlung, Hitzeperioden wie in Wien gibt es selten. Generell ist das Wetter in Malmö etwas schlechter als in Wien. Das hält aber keinen vom Radfahren ab, die Menschen besorgen sich geeignete Kleidung und fahren trotzdem. Das Angebot an schöner und wetterfester Kleidung war in Schweden immer sehr groß, jetzt hat aber Österreich aufgeholt. Auf der Konferenz "Velo-City" in Dublin in 2005 bekam Malmö, gemeinsam mit Helsingfors, das Platina-Diplom, die höchste Auszeichnung für Fahrradplanung. Die meisten Fakten und Statistiken wurden dem Fahrradteil der Homepage der Stadt Malmö entnommen. Es gibt sogar eine kurze Fahrradinformation auf Deutsch. Danke für Fotos an Leif Jönsson, Straßenbauamt Malmö. Das Foto des Radständers beim Bahnhof im Winter kommt aus Google Earth, Fotograf ist Carlos Capel·n. Ich glaube, dass die Wiener Verkehrsplaner einiges von ihren Kollegen in Malmö lernen können! Andrzej Felczak
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