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Lund - mit 40% höchster Radverkehrsanteil Schwedens

In Lund habe ich während meines Studiums gewohnt. Von hier sind es nur 15 km nach Malmö und bei schönem Wetter ist auch Kopenhagen gut sichtbar. Am Bild ist im Hintergrund die Brücke Malmö-Kopenhagen zu sehen.


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Laut eigener Aussage ist Lund die Gemeinde Schwedens, in der am meisten Rad gefahren wird. Der Radfahranteil wird mit 40 % angegeben. Eine Untersuchung hat den Radverkehrsanteil nach Länge der gefahrenen Strecke aufgeschlüsselt. Auf der X-Achse ist die Streckenlänge angegeben, auf der Y-Achse der Radverkehrsanteil. Bei 1,5 km ist der maximale Radverkehrsanteil von über 50 % zu sehen, bis 4,5 km liegt er immer noch bei etwa 30 %. Dass Höhendifferenzen ein Ausschliessungsgrund für das Radfahren sein sollten (wie von manchen Wiener Entscheidungsträgern behauptet), wird in Lund bestens widerlegt. In Lund beträgt der Niveauunterschied bis zu 80 m!.
Das Zentrum des Radverkehrsnetzes bildet der Hauptbahnhof, am Bild mit dem blauen Punkt gekennzeichnet. Vom Zentrum bis zum Stadtrand beträgt die Reisezeit mit dem Fahrrad höchstens eine Viertelstunde. Die Stadt ist fast genau kreisförmig mit einem Durchmesser von etwa 8 km. In Lund wohnen 80.000 Menschen, ein Drittel davon Studenten. Im Bild eine Untersuchung der Fahrradreisezeiten.
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Am Hauptbahnhof in Lund steigen täglich 36.000 Pendler um und hier wird Bike'n'Ride seinem Namen wirklich gerecht. In unmittelbarer Stationsnähe stehen 3.800 Radabstellplätze zur Verfügung. Sie werden regelmäßig patroulliert, um Vandalisums und Diebstahl zu verhindern.
Das Fahrradreisezentrum "Lundahoj" beim Hauptbahnhof Lund bietet 780 überdachte und bewachte Radabstellplätze. Dort kann das Fahrrad um 50 Eurocent je Tag oder 5 Euro im Monat abgestellt werden. Im Fahrradreisezentrum können auch Fahrradhelme verwahrt werden. Werkzeug, Druckluft, WC, und Schuhputzmöglichkeiten stehen zur Verfügung und es gibt Informationen zum Thema Radfahren. "Lundahoj" wird von der Gemeinde und der EU im Rahmen des Klimaschutzprogrammes gefördert.
Link Fahrradreisezentrum "Lundahoj"

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Überdachte Radabstellanlagen mit guten Radständern, an denen das Rad befestigt werden kann, sind bei vielen Bushaltestellen in der Stadt und in den umliegenden Dörfern aufgestellt. Insgesamt stehen den Pendlern der Gemeinde Lund etwa 500 dieser hochqualitiativen Bike'n'Ride Radabstellplätze an verschiedenen Örtlichkeiten zur Verfügung.
Um die Sicherheit und die Bequemlichkeit für Radfahrer und Fußgänger zu erhöhen, ist eine große Anzahl von Unterführungen und Brücken vorhanden. Es ist nicht zu übersehen, dass die Planer genau wissen, wie eine attraktive Unterführung auszusehen hat. Die Steigungen und die Kurven sind sehr sanft, die Breite erlaubt ein sicheres Durchkommen für alle und die Sichtverhältnisse sind ausgezeichnet. Die neueren Unterführungen werden sogar mit einem Durchlass in der Decke errichtet, um tagsüber genug Licht zu gewährleisten. In die Jahre gekommene Unterführungen werden hell ausgemalt, verbreitert und die Sichtverhältnisse verbessert.
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Radwege sind, wo vorhanden, sehr hochqualitativ angelegt. Schmale, nur durch Bodenmarkierungen festgelegte Radwege la Wien sucht man vergeblich. Die Trennung zwischen Radfahrern und Fußgängern erfolgt mit unterschiedlichen Bodenbelägen (Radweg - Asphalt, Gehweg - Platten).
In Lund wird mit dem Fahrrad auch sehr viel auf der Straße gefahren. Radfahrer sind allgegenwärtig und die Autofahrer haben gelernt, mit den Pedalrittern umzugehen. Das Bild wurde vor dem Krankenhaus in Lund aufgenommen. In Schweden wird mit dem Auto allgemein sehr ruhig gefahren. Einer der Gründe sind sicher die strengen Polizeikontrollen und die geringe Toleranzgrenze von 5 km/h bei Geschwindigkeitsüberschreitungen. Dass die Verkehrsstrafen vom Verdienst abhängig sind führt dazu, dass auch wohlhabende Autofahrer eine Übertretung spüren.
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Vom Zentrum führen mehrere Hauptradrouten zu den Stadtteileilen am Stadtrand. Einige der Routen führen über die Stadtgrenze hinaus zu den Nachbargemeinden. Eine ganz nette und praktische Idee ist es, die Hauptradrouten mit Farben zu kennzeichnen, ähnlich wie die Wanderrouten in Österreich. Die Vorteile sind leicht zu erkennen - statt die Ziele lesen zu müssen reicht ein kurzer Blick auf die Tafel und die Richtung kann auch aus großer Entfernung festgestellt werden. Für die Verkehrssicherheit ist die Farbkennzeichung auch vorteilhaft, der Radfahrer kann sich mehr auf das Verkehrsgeschehen konzentrieren.
Die Farben der Hauptradrouten finden sich im Radfahrplan der Stadt Lund wieder.

Auch andere für den Radfahrer wichtige Anlagen sind im Plan eingezeichnet:
untergeordnete Radverbindungen
überdachte Radabstellanlagen
Druckluftstationen
Unterführungen/Brücken


Zum Vergrössern anklicken (gif, 2659 * 3150 pixel, 1.4 MB).

Um Autofahrer zum Umstieg auf das Fahrrad zu motivieren, wurde das Programm "Gesundheitsstrampler" ins Leben gerufen. Autofahrer, die zur Arbeit mit dem Auto fahren und sich überlegen, auf das Fahrrad umzusteigen, bekommen Unterstützung durch die Gemeinde. Der KFZ-Fahrer muss sich verpflichten, ein Jahr lang mit dem Drahtesel in die Arbeit zu fahren. Von der Gemeinde bekommt er einen Fahrradcomputer, Regenkleidung, Helm und Fahrradbeleuchtung und nimmt auch an Befragungen teil.

In den Jahren 1993-1996 fand ein Projekt im Rahmen der lokalen Agenda 21 statt, um die Entscheidungsträger für das Radfahren zu gewinnen.

Zwischen 1999 und 2005 investierte die Stadt Lund etwa 8 Millionen Euro in den Radverkehr.

Es gibt noch viele interessante Details über die Fahrradplanung in Lund, die hier aus Platzgründen leider nicht erwähnt werden können. Für Interessierte steht eine Präsentation der Stadt Lund über das Radfahren zur Verfügung.
Download (draufklicken oder rechte Maustaste -> speichern unter):
Präsentation Radfahren in Lund - "City of Ideas", Englisch, pdf-Format, 7 MB.

Die meisten Fakten und Statistiken wurden dem Fahrradteil der Homepage der Stadt Lund entnommen.

Danke für Fotos und Fakten an Christina Nilsson, Technische Verwaltung, Lund.

Das Foto vom Krankenhaus Lund kommt aus Google Earth, Fotograf ist Bertil Magnusson.

Obwohl manche der Randbedingungen in Lund nicht übertragbar sind, gibt es viele Ideen, die auch in Wien umgesetzt werden können. Dazu bedarf es aber eines entsprechend entschlossenen politischen Willens.

Andrzej Felczak

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Andrzej Felczak, 28. April 2008